(politische) Selbstvertretung in Dresden stärken
2021 trat das Kinder- und Jugendhilfestärkungsgesetzes (KJSG) in Kraft. Die Intention des Gesetzes ist es, die Rechte und Partizipationsmöglichkeiten von Adressat*innen der Kinder und Jugendhilfe zu stärken. In diesem Rahmen wurde auch §4a SGB VIII eingeführt. Ziel dessen ist es „selbstorganisierte Zusammenschlüsse zur Selbstvertretung“ (SOZ-SV) zu unterstützen bzw. Adressat*innen der Kinder- und Jugendhilfe zu ermutigen, ihre Anliegen selbst zu vertreten. Dahinter steht der Grundgedanke, dass Adressat*innen der Kinder- und Jugendhilfe nicht nur Leistungsempfänger*innen sind, sondern Expert*innen ihrer Selbst und ihrer Anliegen. Sie sollen an Planung und Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe beteiligt werden. Der §4a stärkt SOZ-SV und verankert ihre Rechte strukturell.
In Dresden wurde 2024 durch den Kinder- und Jugendhilferechtsverein (KJRV), das Kinder- und Jugendbüro Dresden (KiJuB), das Jugendamt Dresden unter wissenschaftlicher Leitung der IU Dresden ein „Konzept zur Umsetzung der Bestimmungen des § 4a SGB VIII in der Landeshauptstadt Dresden“ erarbeitet. Der Jugendhilfeausschuss hat das Konzept im Mai 2025 angenommen und die Einführung einer Fragestunde für Kinder und Jugendliche beschlossen. Außerdem wurde der Oberbürgermeister beauftragt, eine Anlaufstelle zu benennen und zu prüfen, welche Maßnahmen noch möglich sind, um das Konzept in Umsetzung zu bringen.
Hier setzt unser Projekt an: Wir wollen selbstorganisierte Zusammenschlüsse zur Selbstvertretung (SOZ-SV) in Dresden stärken, qualifizieren und vernetzen. Gemeinsam mit jungen Aktiven, Fachkräften der Jugendhilfe sowie Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung bauen wir Brücken, um eine Kultur der gelebten Beteiligung dauerhaft zu verankern. Wir arbeiten konkret in vier Teilbereichen:
1. Zusammenarbeit mit selbstorganisierten Zusammenschlüssen zur Selbstvertretung (SOZ-SV): Vernetzung & Starter-Box
Wir wollen bestehende und neue SOZ-SV stärken. Zum einen laden wir zu offenen Austausch- und Vernetzungstreffen ein, in denen sich SOZ-SV kennenlernen und miteinander ins Gespräch kommen können. Zudem planen wir mit Aktiven in SOZ-SV zusammen praxistaugliches Handwerkszeug zu erarbeiten. Dazu entwickeln wir eine Starter-Box und eine Homepage, die praktisches Wissen rund um die Organisation von SOZ-SV, von Förderanträgen und Informationen zur Raumsuche bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit bündelt. Die Starter Box entwickeln wir in gemeinsamen Arbeitsgruppentreffen, in denen Erfahrungen ausgetauscht werden und Inhalte direkt erarbeitet werden.
2. Für Kinder & Jugendliche in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe: Workshopangebote
Unser Ziel ist es, junge Menschen über ihre Rechte und Mitbestimmungsmöglichkeiten, über die Möglichkeit zur Selbstvertretung und über die Fragestunde im Jugendhilfeausschuss zu informieren und sie zu ermutigen, ihre Anliegen selbst einzubringen, bspw. in jugendhilflichen Gremien oder der Kommunalpolitik. Dafür bilden wir Studierende der Sozialen Arbeit als Multiplikator*innen aus, die anschließend interaktive Workshops in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, wie bspw. Kinder- und Jugendtreffs, Wohngruppen und Schulsozialarbeiten durchführen. Begleitend verteilen wir Infomaterialien an allen relevanten Orten, um die „Fragestunde für Kinder und Jugendliche im Jugendhilfeausschuss“ bekannter zu machen.
3. Für Fachkräfte der Jugendhilfe: Einbezug von SOZ-SV in Arbeitsgruppen
In einem dritten Strang kommen wir mit Fachkräften und Multiplikator*innen ins Gespräch. Dafür stellen wir den Sprecher*innen der Stadtteilrunden und darüber hinaus weiteren interessierten Stadtteilrunden sowie Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII das Projekt in kurzen Workshops vor. Im Anschluss möchten wir mit interessierten Stadtteilrunden und Arbeitsgemeinschaften geeignete Handlungskonzepte für die Zusammenarbeit der Gremien mit SOZ-SV im Stadtraum erarbeiten.
4. Für Politik & Verwaltung: Verankerung im Jugendhilfeausschuss
Wir möchten verbindliche Strukturen entwickeln, damit die Perspektiven junger Menschen dauerhaft in politische Entscheidungsprozesse einfließen. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses, jungen aktiven SOZ-SV und uns diskutieren und prüfen wir in etwa 4 - 6 Treffen konkrete Beteiligungsmöglichkeiten und erarbeiten ein Handlungskonzept für die Mitwirkung von SOZ-SV im Ausschuss.
Kontakt
Möchtest du mehr über unser Projekt erfahren oder hast du konkrete Fragen und Anliegen? Bist du selbst Teil eines selbstorganisierten Zusammenschlusses? Dann melde dich bei uns!
michaELA Gloger, Maja Schädel, Pauline Nuszkowski, Sandra Schneider
Telefon: 0351 - 27550290




